Sonntag, 17. Mai 2015

"Präsentismus" oder warum Kranksein als Lehrer nie passt

Schon wieder hatte es mich erwischt. Kennt ihr das auch? Ihr wacht morgens mit Husten und Schnupfen auf und es ist ein ungünstiger Tag, da ihr gerade heute eine Übungsarbeit schreiben wolltet. Und den Schwimmunterricht kann auch keiner vertreten. Und gerade heute wollte ich mit dem neuen Sachunterrichtsthema beginnen und und und...

Nach Inhalieren, Tee und einer Packung Taschentüchern im Gepäck schleppe ich mich zur Schule, damit alles nach Plan laufen kann. Doch das war ein Fehler, denn es ist anstrengender als gedacht und schon nach der 2. Stunde lassen meine Kräfte nach.
"Präsentismus" heißt es, habe ich neulich gelesen, wenn man sich halbkrank zur Arbeit schleppt im Glauben, man ist unersetzlich... Natürlich ist man ersetzlich, doch die Vertretung macht es eben nicht immer so wie es die Kinder gewohnt sind. Und man benötigt eine halbe Ewigkeit, um aufzuschreiben oder am Telefon zu erklären was gemacht werden soll. Glücklicherweise habe ich Arbeitsmaterial immer vorrätig im Klassenraum, doch ob dann alles so läuft wie geplant?
Und oft vergesse ich auch wichtige Details: Zu sagen, dass das Bilderbuch auf dem Schreibtisch unsere Klassenlektüre für die nächsten zwei Wochen im Deutschunterricht ist und nicht in der Frühstückspause komplett vorgelesen werden soll :-(
Trotz allem muss ich mich fügen und nicht mehr dem Präsentismus verfallen. Es geht auch ohne mich, auch wenn ich mich zuhause hustend und schniefend frage, was sie wohl jetzt machen...
Umso schöner der Tag, an dem ich wieder ganz auskuriert bin und freudig und fröhlich mit gemalten und geschriebenen Nachrichten zum Willkommen und guten Besserung auf meinem Schreibtisch begrüßt werde.
Ich werde doch an meinem Immunsystem arbeiten, denn es scheint zu stimmen: "Neue Kinder, neue Viren!". Immer in der 1. Klasse trifft mich die Erkältungszeit und die Nachwehen bis ins Frühjahr heftiger als sonst.
Da kann ich nur hoffen, dass nun der Sommer da ist und ich im 2. Schuljahr immuner bin gegen die Schulviren.
In diesem Sinne gesunde, allergiefreie und fröhliche Frühlingstage
Marion Keil

1 Kommentar:

  1. Ohjaaaa, das kenne ich auch! Gerade an unserer Zwergschule mit nur 4 Kolleginnen! Da weiß man bei jedem Krankentag, wer es dann ausbaden muss und wie du ja schon festgestellt hast - es läuft halt eben nicht immer so wie gewünscht! Aber nachdem ich einen schlimmen Fall von Burn-Out im Kollegium miterleben musste, bin ich vom Präsentismus etwas kuriert! Diese Kollegin war nämlich auch immer da, egal ob Schniefnase o.ä.! Und das Ende vom Lied war - es ging gar nichts mehr! Also lieber mal zu Hause bleiben und an die eigene Lehrergesundheit denken, statt sich halbtot in die Schule schleppen! Daran versuche ich mich zu halten, auch wenn es manchmal verdammt schwer fällt!
    Liebe Grüße Frau Urbi

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