Dienstag, 23. Februar 2016

Petzen oder Hilfe holen?

Oftmals nervt mich die "Petzkultur" der Kinder. Viele Kinder scheinen immer nur die Fehler der anderen registrieren und anzeigen zu müssen, daher fand ich das Spiel "Petzen oder Hilfe holen?" während unserer Coolstrongkids-Projektwoche sehr hilfreich.

Bild: www.clker.com
Hierbei wird den Schülerinnen und Schülern erklärt, dass es einen Unterschied zwischen Petzen und Hilfe holen gibt. Als Leitfrage kann hier dienen: "Ist jemand in Gefahr?"

Die Kinder stehen in der Mitte des Klassenraums und müssen sich nach Fallgeschichten entscheiden, ob es hier um petzen oder Hilfe holen geht und in die entsprechend dazu gekennzeichnete Ecke gehen.

Geschichten hierzu könnten sein:
1. Zwei Kinder sitzen während des Unterrichts in der Toilette und tauschen Sticker.
Petzen oder Hilfe holen?  Petzen, denn keiner ist in Gefahr und der Lehrer wird sie sicher gleich vermissen!

2. Ein Schüler schubst eine Mitschülerin und nimmt ihr den Jojo ab. Er sagt ihr, dass sie es niemandem sagen soll, sonst bekommt sie morgen noch mehr Ärger.
Petzen oder Hilfe holen? Hilfe holen, denn das Mädchen ist in Gefahr noch mehr Ärger zu bekommen.

3. Zwei Jungs treten sich in der Pause.
Petzen oder Hilfe holen? Hilfe holen, denn die Jungs sind in Gefahr und könnten sich heftig verletzen.

4. Ein Kind schreibt bei der Klassenarbeit ab.
Petzen oder Hilfe holen? Petzen, denn keiner ist dabei in Gefahr und es ist der Job des Lehrers dies zu bemerken.

Nach diesem Spiel hat das wirkliche "Petzen" in meiner Klasse deutlich abgenommen, denn ich frage immer wieder, wenn Kinder anderen fies eins auswischen wollen: Ist jemand in Gefahr? woraufhin sie wieder an ihren Platz trotten und es bestenfalls selbst klären.
Viele Kinder achten jetzt auch mehr auf sich, was wir auch thematisiert und besprochen haben, denn mal ehrlich: Wer macht nicht mal was falsch?

Viele Grüße, immer schön ehrlich bleiben und auf sich achten :-)
Marion Keil

Kommentare:

  1. Liebe Marion,
    danke für deinen Tipp! Bei meiner Gruppe nimmt dieses Problem momentan auch Überhand und ich bin froh durch dich jetzt eine kleine Hilfestellung zu haben.
    Vielen lieben Dank und schöne Grüße
    Franziska

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  2. Liebe Marion,
    ich denke wir kennen das alle.
    Zum Besprechen nutze ich von Susanne Schäfer gern das Plakat "Becor ich Hilfe hole" , das sie im Juni 2014 online gestellt hat.
    Vielen Dank für deine Mühen!
    Annett

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  3. Hallo Marion,
    ich halte es in meiner Klasse so, dass petzen immer etwas heimliches ist. Wenn dir ein Kind also etwas tut, das du nicht möchtest (zB hänseln, weh tun, etwas abnehmen) dann muss das Kind erst darauf hingewiesen werden, dass es damit aufhören soll. Wenn es dies nicht tut, dann kann man zum Lehrer gehen und sich Hilfe holen, das andere Kind weiß aber dann davon und somit ist es nicht mehr heimlich und kein petzen.

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  4. Hallo Marion,
    wirklich wichtiger und toller Blogeintrag. Geht mir in meiner Klasse gerade ähnlich, finde den Ausdruck "Hilfe holen" super, da können die Kinder gut unterscheiden.
    Werde ich morgen sofort mit ähnlichen Beispielen aus der eigenen Klasse ausprobieren.
    Danke!!

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